"Ordnung und Freigeist" 100 Jahre Gudrun Krüger

Wenn geometrische Formsprache und die Kraft der Natur vor den eigenen Augen miteinander verschmelzen, dann ist man eventuell gerade dabei sich eine Skulptur oder ein Mandala der großartigen und international bekannten Eninger Künstlerin, Gudrun Krüger, zu betrachten. Man könnte sie selbst als Sinnbild der beiden Pole „Ordnung und Freigeist“ beschreiben, da sie auch als Mensch einerseits der inneren als auch äußeren Ordnung zugewandt, gleichzeitig aber stets ein naturverbundener Mensch voller neuer Ideen, voll innerem Licht, Aufbruch und Lebensenergie war.

Am 11. Februar wäre Gudrun Krüger 100 Jahre alt geworden. Dies nimmt die Gemeinde Eningen mit zahlreichen Kooperationspartnern zum Anlass, der bekannten Bildhauerin ein ganzes Gedenkjahr mit begleitenden Ausstellungen und Veranstaltungen zu widmen.

Begleitheft

Ein Begleitheft zum Krügerjahr mit konkretem Programmablauf, Grußwort der Gemeinde und Familie ist zum Geburtstag erschienen. In dem kunsthistorischen Beitrag von Dr. Marc Gundel, Direktor der Städtischen Museen Heilbronn, machen Werkbeispiele und biographische Komponenten das Werk wieder lebendig. Die Publikation ist kostenfrei im Rathaus sowie einigen Eninger Geschäften erhältlich.

Großskulpturen auf dem Rathausplatz

Das Krüger-Jahr 2022 startete am 11. Februar, am Tag der Geburt, auf dem Eninger Rahausvorplatz. Besondere Großskulpturen der Künstlerin wurden feierlich eingeweiht und sind seitdem auf dem Platz vor dem Rathaus zu sehen. Zum einen ragt die Stele „schmal, weiblich“ in frischem, rot strahlendem Anstrich in den Himmel. Auf der anderen Seite des Platzes der „Quell“ in Edelstahl, rund gebürstet und dadurch dynamisch wirkend.

Ausstellung im Rathaus

Unter dem Titel „Ordnung und Freigeist“ wurde am 8. April eine Sonderausstellung im Eninger Rathaus eröffnet. In einer musealen Darstellung werden das Gesamtwerk und Leben der Bildhauerin, Frau und Mutter Gudrun Krüger honoriert. Wichtige Großskulpturen, hervorragend ausgearbeitete Modelle, Zeichnungen, Mandalas und Lithographien erzählen die Geschichte der Künstlerin und ihres Schaffens. Die Ausstellung ist derzeit dienstags von 15-18 Uhr und donnerstags von 14-16 Uhr geöffnet. Sonderöffnungstag am Sonntag, 1. Mai von 14-17 Uhr.

Sommerkonzert zu Ehren Gudrun Krüger

Am Samstag, den 20. August findet zu Ehren der Eninger Bildhauerin ein Sommerkonzert auf dem Schillerplatz, rund um die Skulptur „Eichenläubin“ statt. Sommerliche Klänge bringt das Saxophon-Quartett „Gleis 4“ mit dem Gitarristen Joni Tauscher mit. Kunsthistorikerin Martina Köser-Rudolph, ehemalige Vize des Kunstmuseums Reutlingen, wird das Werk von Gudrun Krüger einbringen. Weitere Informationen zum Vorverkauf werden über die Presse bekanntgegeben.

Ausstellung in der Bücherei

Das ganze Jahr über sind in der Gemeindebücherei Eningen die Großskulptur „Urwaldkrone“ sowie Kartonagen von Gudrun Krüger zu sehen. Öffnungszeiten der Bücherei sind hier zu finden.

Kooperationsprojekt des Reutlinger Kunstmuseums und der Stadtbibliothek Reutlingen

Die fahrbare Druckerei, mit Kerstin Rilling aus der Kunstvermittlung, wird sich der bekannten Großskulptur „Vogelauge“ vor der Bibliothek annehmen und lädt am 16. Juli ab 11.00 Uhr alle kleinen Künstler ein, die gerne selbst Hand anlegen und sich in künstlerische Prozesse lebhaft hineindenken möchten.

Kinderführung mit Zeichenkurs und Atelierbesuch

MarEl Schaefer vom Förderverein Eninger Kunstwege wird dieses Angebot für kleine Künstler am 1. September um 15.30 Uhr begleiten. Sie kannte die Künstlerin persönlich und freut sich die Kinder lebhaft mit auf eine Reise in den Bücherei-Urwald zu nehmen und im Anschluss bei einem Besuch im Atelier zu begleiten.

Lesung zu Ehren von Gudrun Krüger

Dank gilt zudem dem Förderverein Eninger Kunstwege, der sich kurzfristig entschieden hat einen Beitrag zum Gudrun-Krüger-Jahr in Form einer Lesung zu leisten. Diese soll am 4. Dezember 2022 stattfinden und wir freuen uns auf Texte um und zu Gudrun Krüger.

Führungen

Über das Jahr verteilt finden zahlreiche Führungen durch das Atelier und die Ausstellungen statt. Derzeit sind alle Plätze bereits vergeben. Neue Termine werden über die Tagespresse und die Eninger Nachrichten bekanntgegeben.

Die Programmübersicht zum Gudrun-Krüger-Jahr 2022  finden Sie hier....

Nähere Informationen erhalten Sie auch telefonisch unter 07121-8921250 oder per mail an kultur@eningen.de

Gud­run Krü­ger (1922 – 2004)

Die Bildhauerin und Zeichnerin Gudrun Krüger wurde am 11. Februar 1922 in Tübingen geboren und lebte von 1945 bis zu ihrem Tod als freischaffende Künstlerin in Eningen unter Achalm. Krüger schuf vorrangig Plastiken aus Stahl und Holz, die oft farbig gehalten wurden. Sie folgte geometrischen Formen und verwendete gleichzeitig kräftige Symbole wie Augen und Sterne. Stets hinterließ die Künstlerin einen Rest an Unerklärbarem und Rätselhaften. Der Hang zum Abstrakten rührte vermutlich nicht zuletzt von der Abwendung vom früheren strengen Studium der Porträt- und Aktzeichnung.

Gudrun Krüger studierte von 1939-41 an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und setzte ihr Studium von 1943-44 an der Akademie in Wien fort. Prägend müssen für die Künstlerin vor allem die Aufenthalte in London gewesen sein. Dort sind im British Museum und im Victoria and Albert Museum bis heute ihre Werke in den Sammlungen vertreten. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen bewältigte sie, teils sogar europaweit.

Auch von Gudrun Krüger findet sich das ein oder andere Schmuckstück in Eningen. Da wäre zum einen die Bronze-Figurengruppe „Gordona“, die 2017 vom Calner-Platz in den nach ihr benannten Krügerpark versetzt wird. Außerdem steht auf dem Schillerplatz eine hellblaue „Eichenläubin“ aus Metall. Ein Ebenbild der Eichenläubin ist im Rathaus II zu sehen. Dort steht auch die Skulptur „Charlieu“ - anlässlich der Städtepartnerschaft mit Frankreich.

Li­te­ra­tur:

  • Galerie 5 – Haus Geiselhart: Gudrun Krüger. Plastiken. Reutlingen 1987.
  • Heimat- und Geschichtsverein Eningen unter Achalm e.V.: Öffentliche Kunst in Eningen unter Achalm. Eningen 2012, S. 16-26.
  • Thomas Leon Heck / Joachim Liebchen: Reutlinger Künstler Lexikon. Reutlingen/Tübingen 1999, S. 153.